Antje Schrupp im Netz

Newsletter vom 16. September 2009

1. Die Anwältin und ihre Zeugin

Seit ich Mitglied der Evangelischen Filmjury bin, gehe ich noch öfter ins Kino als sonst – und kann interessante Filme schon vorab sehen. Meine aktuelle Empfehlung ist der Film »Sturm« des deutschen Regisseurs Hans-Christian Schmid. Er verhandelt den Krieg in Bosnien und die Möglichkeiten internationaler Sanktionen aus der Perspektive zweier Frauen: einer Anklägerin am Kriegsverbrechertribunal in Den Haag und einer bosnischen Zeugin. Eine spannende und absolut sehenswerte Mischung aus Gerichtsfilm und internationalem Thriller:

http://www.bzw-weiterdenken.de/index.php?m=artikel&rub=9&tid=217

2. Victoria Woodhull kommt auf die Bühne

Yes! Das Kosmostheater in Wien bringt das Leben von Victoria Woodhull auf die Bühne. Premiere ist am 23. September. Unter der Regie von Tanja Witzmann wird nicht nur Woodhulls Leben nachgespielt, sondern auch mit allerlei aktuellen Bezügen gespickt – ich habe das vorläufige Script gelesen und bin regelrecht begeistert. Also wenn Ihr demnächst irgendwie in der Nähe von Wien seid: Unbedingt reingehen! Am Freitag, 25. September, gibt’s vorab sogar noch einen kleinen Vortrag von mir ☺

http://vicwoodhull.wordpress.com/2009/07/28/victoryahh-in-wien-kommt-woodhulls-leben-auf-die-buhne/

3. Kann eine Feministin die Grünen wählen?

Ja klar, kann sie – aber eigentlich nur, weil die Alternativen auch nicht grade prickelnd sind. Besonders geärgert habe ich mich über das »Frauen nach oben«-Plakat. Ist es doch eine merkwürdige Vereinnahmung feministischer Anliegen bei – finde ich zumindest – gleichzeitiger Absage an weibliche Subjektivität. Denn, mal Hand aufs Herz: Ist es wirklich das, wohin wir wollen? Nach oben?

http://antjeschrupp.com/2009/09/07/kann-eine-feministin-die-grunen-wahlen/Der Kommentar ist auch im Blog der Mädchenmannschaft erschienen (und dort ebenfalls kommentiert worden): http://maedchenmannschaft.net/kann-eine-feministin-die-gruenen-waehlen/

4. Kann eine Feministin Piraten wählen?

Und noch eine andere Partei habe ich mir in meinem Blog vorgenommen, und zwar die Piraten. Denn der Frauenanteil in dieser neuen und im Prinzip ja ganz sympathischen Bewegung, die sich vor allem gegen Internetzensur engagiert (was, wie ich finde, ein sehr wichtiges Thema ist), ist extrem niedrig. Mich hat vor allem der Name zum Schmunzeln gebracht, habe ich doch schon in meinem kleinen Büchlein »Zukunft der Frauenbewegung« vor fünf Jahren die These aufgestellt, wir hätten es heute nicht mehr mit Patriarchen, sondern mit Piraten zu tun. Dass dieser kleine Text solch enorme Wellen im Internet schlägt, hätte ich mir nicht träumen lassen: Tausende Leute pro Tag haben den Blog gelesen, und bei ungefähr 250 teilweise unsäglichen Kommentaren habe ich die Diskussion dann geschlossen.

http://antjeschrupp.com/2009/09/03/kann-eine-feministin-piraten-wahlen/

5. Ich schreib mir meine Politikerinnen-Interviews selber

Dass Interviews von Parteipolitikerinnen meist genauso nichtssagend und langweilig sind wie die ihrer männlichen Kollegen, hat Manuela Schwesig, Sozialministerin von Mecklenburg-Vorpommern und Frank-Walter Steinmeiers Wunschkandidatin für den Posten der Familienministerin, sehr eindrücklich in der taz demonstriert. So eindrücklich, dass ich beschlossen habe, mir meine Politikerinnen-Interviews lieber selber zu schreiben:

http://antjeschrupp.com/2009/08/24/ich-mach-mir-mein-politikerinnen-interview-selber/

6. Kleiner Nachtrag zum Thema, was eine Feministin wählen kann

Weil die Reaktionen auf diese Posts teilweise sehr heftig waren, habe ich dann noch eine kleine Erläuterung zu der Frage nachgeschoben, wen oder was Feministinnen denn eigentlich wählen können.

http://antjeschrupp.com/2009/09/09/kleiner-nachtrag-zur-frage-wen-oder-was-feministinnen-wahlen-konnen/

7. Muslimische Erzieherinnen? – aber klar!

Die großen Kirchen gehören zu den wichtigsten Trägern von Kitas und Krabbelstuben. Wegen der neuen Rechtsansprüche von Eltern auf Kinderbetreuungsplätze ist derzeit ein massiver Ausbau der Einrichtungen in Gange – und sie schaffen es kaum, genügend Erzieherinnen zu finden. Deshalb fangen sie nun an, darüber nachzudenken, ob sie nicht eventuell auch muslimische Erzieherinnen einstellen sollen. Ich meine: Das wird aber auch höchste Zeit und habe dazu einen Kommentar für die Mitarbeiter_innenzeitung »Kirche Intern« geschrieben:

antjeschrupp.de/muslimische-erzieherinnen

8. Affidamento – Vortrag in Frankfurt

Und last not least noch ein weiterer Veranstaltungstipp: In der Reihe »Denkräume« im Evangelischen Frauenbegegnungszentrum in Frankfurt stelle ich am Freitag, 18. September, den Ansatz der italienischen Feministinnen um den Mailänder Frauenbuchladen vor, der hierzulande unter dem Stichwort »Affidamento« bekannt geworden ist. Würde mich freuen, euch da zu treffen: Um 19 Uhr, Saalgasse 15, Frankfurt am Main.

Alle meine Veranstaltungen: http://antjeschrupp.com/veranstaltungskalender/