Österreichische HochschülerInnenschaft, online-Zeitung:
http://oeh.ac.at/oeh/fem/101976061267/111966018121
In ihrem Essay „Zukunft der
Frauenbewegung“ will die Politikwissenschafterin, Publizistin und Journalistin
Antje Schrupp - so verspricht der Klappentext - der vielbeklagten „Krise“ der
Frauenbewegung neue Chancen entgegensetzen.
Sie geht davon aus, dass sich nicht die Frauenbewegung in
der Krise befände, sondern “die herkömmlichen politischen und ökonomischen
Strukturen“ (S. 6). Von deren Legitimitätskrise, wäre die Frauenbewegung nur an
dem Rande betroffen, nur dort, wo sie auf diesen Strukturen aufbaut. Ansonsten
sei sie „die wohl erfolgreichste soziale Bewegungen, die die westliche Welt
erlebt hat“ . ( S.7)
Schrupp geht teilweise von
interessanten Thesen aus, wie die vom Ende des klassischen Patriarchats und der
Machtübernahme mafiotischer Männlichkeiten, die sie in der Figur des „Piraten“
beschreibt. Sie beschreibt Frauen nicht als Opfer, sondern als aktiv handelnde
Subjekte, die auch wenn sie „unfeministisch“ erscheinen mögen, gute Gründe dafür
haben können, sich in bestimmten Bereichen nicht zu engagieren. So meint die
Autorin, dass Frauen vielleicht ganz gut daran tun, sich nicht von kriselnden
Regimen und Staatlichkeiten vor den Karren spannen zu lassen, um diesen dann,
wenn nichts mehr geht, aus dem Dreck zu ziehen, bzw. sich nicht dankbar zeigen,
wenn ihnen großzügig Zutritt zu gesellschaftlichen Feldern gewährt wird, die
ohnehin über keine reale Macht mehr verfügen.
Doch an manchen Stellen bleiben ihre Analysen oberflächlich, und sie bringt sich
mit unzulässigen Verallgemeinerungen um interessante Aspekte ihrer
Darstellungen: So beschreibt sie Forderungen, wie die nach geschlechtersensibler
Sprache, öffentlicher Präsenz von Frauen, etc. als bereits erreichte Ziele und
geht davon aus, dass Frauen heutzutage alles könnten, was sie wollten („Frauen
können alles – aber was wollen sie?“, S. 27). Diese Diagnose halte ich für
durchaus problematisch: Denn während es in bestimmten Schichten und Kontexten
zutreffen mag, dass der Druck nach „political correctness“ stark ist und Frauen
– zumindest nach außen hin – in manchen Feldern mit(!)berücksichtigt werden, so
ist dies in den meisten gesellschaftlichen Bereichen keineswegs der Fall.
Ihr Bild von der Frauenbewegung und deren Errungenschaften bleibt also ein
relativ unkritisches: Inwiefern beispielsweise die Frauenbewegung die
erfolgreichste soziale Bewegung ist und im Vergleich zu welchen anderen
Bewegungen die Autorin sie stellt, bleibt ungesagt.
Ein weiterer irritierender Aspekt ist, dass Schrupp Begriffe wie „Freiheit“,
“Frauen“, „weibliches Begehren“, etc. recht unkritisch verwendet. Sie verwehrt
sich zwar gegen ein biologistisches Verständnis dieser Differenzen und meint,
dass das „Frau-Sein“ inhaltlich nicht festgelegt sei (Vgl S. 54), erklärt dann
aber doch: „... der Unterschied der Geschlechter ist eine Tatsache, die sich nur
schwer ignorieren lässt.“ (S. 61)
Auch eine Verortung ihrer Thesen wird dem/der LeserIn vorenthalten: Meist
scheint sie von einer „allgemeinen“, quasi ortlosen Frauenbewegung zu schreiben.
Die meisten Beispiele stammen jedoch aus der BRD, und wirken schon im
schwarz-blau regierten Nachbarland teilweise utopisch (Beispielsweise ihre
Zuversicht, dass es bald eine Bundeskanzlerin geben wird, die sich auch einer
weiblichen Endung bedienen wird.).
Meiner Meinung nach bleiben ihre Ideen und Visionen eines „weiblichen Begehrens“
und einer „weiblichen Freiheit“, die auch jenseits von Budgetkürzungen und
Projektesterben Frauenbewegungen weitertragen könnten, sehr generell,
oberflächlich und abgehoben von den Lebensrealitäten eines Großteils der
(weiblichen) Bevölkerung. Damit bleiben sie für konkrete Bezüge und Anknüpfungen
leider relativ unbrauchbar.
Veronika Wöhrer