Eske Wollrad: Weißsein im Widerspruch. Feministische
Perspektiven auf Rassismus, Kultur und Religion, Ulrike Helmer Verlag,
Königstein 2005, 217 Seiten, 20 €
Wenn von Rassismus die Rede ist, denken die meisten unweigerlich
an Menschen mit dunkler Hautfarbe, so als beträfe Rassismus nur diejenigen, die
„anders“ aussehen: Als „normal“ gilt in Deutschland immer noch das „Weißsein“ –
weshalb es auch nicht eigens thematisiert wird. In den USA und in Großbritannien
hingegen gibt es inzwischen zahlreiche Studien über die Normativität von
Weißsein als „Rasse“-Konstrukt. Diese „Critical Whiteness Studies“ macht Eske
Wollrad in ihrem Buch erstmals in deutscher Sprache zugänglich und für den
hiesigen Kontext fruchtbar.
Dabei wendet sie sich gegen eine verbreitete Auffassung, wonach
es in Deutschland (anders als in den USA) eher um kulturelle oder religiöse
Differenzen gehe: Wenn aber nicht über „Rassismus“, sondern über
„Ausländerfeindlichkeit“ nachgedacht wird, verstärkt das nur die Vorstellung,
dass „Deutschsein“ letztlich „Weißsein“ bedeutet. In einem historischen
Rückblick zeichnet Wollrad die Entstehung und Wandelbarkeit des Mythos einer
weißen „Rasse“ nach. Kritisch setzt sie mit feministischen Theorien auseinander,
die „Gender“ als einzige oder zumindest übergeordnete Kategorie verstehen.
Ebenso skeptisch sieht sie Hybriditätsdiskurse, die ethnische Vielfalt
idealisieren, ohne die dahinter stehenden Machtgefälle ernst zu nehmen. Ein
trotz seines akademischen Anspruchs gut lesbares Buch, das wertvolle Materialien
auch für die konkrete antirassistische Arbeit bereitstellt.
in: Publik
Forum, 19. Januar 2006