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Gisela Widmer: Liebesgrund, Erzählungen, Zytglogge, Oberhofen 2004,

 

Mit lakonischer Direktheit, oft kurz vor der Grenze zur Ironie, erzählt Gisela Widmer Geschichten aus dem Leben. Es ist ganz erstaunlich, wie gut sich die Autorin in ihre Hauptfiguren hinein denken kann, obwohl diese sehr unterschiedlich sind: Ein älterer Verwaltungsangestellter, der sich in eine junge Studentin verliebt, eine London-Reisende, die zufällig ein eine merkwürdige Verwechslungsgeschichte hinein gerät, ein Verrückter, der am Hauptbahnhof immer im Kreis herum läuft und damit das Leben anderer Menschen durcheinander bringt, und schließlich eine alte Frau, die sich an eine vergangene Urlaubs-Affäre erinnert, um zu zeigen, was wahre Liebe nicht ist, und die dann doch an ihrem Lebensende den wahren „Liebesgrund“ entdeckt. Gisela Widmer erzählt Alltagsgeschichten, die gleichzeitig ganz unaufdringlich große philosophische Themen aufgreifen: Die Zeit, das Warten, die Liebe, die Einsamkeit. Dabei nimmt die Handlung meist eine überraschende Wendung, ist aber keineswegs an den Haaren herbei gezogen, sondern entzieht sich nur dem Üblichen.

 

aus: Frauen Unterwegs, September/Oktober 2004

 

 

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