Genevieve Vaughan: For-Giving. Ulrike
Helmer Verlag. 440 Seiten, 36 EUR
Ökonomie des Schenkens
Eine “Kulturtheorie, die auf der Ökonomie des Schenkens beruht”,
so der Klappentext, entwirft die US-amerikanische Feministin Genevieve Vaughan
in ihrem vor elf Jahren erschienenen Buch, das jetzt in der deutschen
Übersetzung vorliegt. Dabei kritisiert sie das westlich-kapitalistische System
als Folge patriarchaler Unordnung, die statt des mütterlichen, auf
Bedürfnisbefriedigung abzielenden Gebens das profitorientierte Tauschen ins
Zentrum gestellt hat. Dies funktioniere aber nur, weil die unsichtbar gemachte
und entwertete Ebene des Schenkens nach wie vor, insbesondere von Frauen,
praktiziert (und ausgebeutet) wird, während unterdrückte Völker und Ökonomien
ständig zu unfreiwilligen „Geschenken“ an die Herrschenden gezwungen werden. Das
Buch enthält zahlreiche spannende Anregungen und Anknüpfungspunkte zum
Weiterdenken, ist allerdings in der Analyse etwas schwarz-weiß-malerisch und
aufgrund zahlreicher Redundanzen streckenweise anstrengend zu lesen.
In: Publik Forum Nr. 15, 14.8.2009