Andrea Günter: Frauen vor Bilder – FrauenVorbilder. Die
weibliche Suche nach Orientierung, Christel-Göttert-Verlag, Rüsselsheim 2003, 5
Euro.
Dass Frauen weibliche Vorbilder brauchen, scheint außer Frage.
Man denke nur an den Boom von Frauenbiografien oder an die beliebte Erforschung
„historischer Frauengestalten“. Der Gedanke ist jedoch keineswegs neu. Auch
früher schon wurde Frauen das leuchtende Beispiel ihrer Geschlechtsgenossinnen
ans Herz gelegt, und zwar oft mit erhobenem Zeigefinger: Seht, wie tugendhaft
andere Frauen sind! Vorbilder, das zeigt die Freiburger Philosophin Andrea
Günter in diesem kleinen Bändchen, können auch dazu dienen, die herrschende
Moral durchzusetzen. Superfrauen aller Art neigen dazu, „Frauenbilder“ zu
zementieren – und zwar egal, ob die ideale Weiblichkeit gerade Demut und Tugend
oder Stärke und Emanzipiertheit verlangt. Die Orientierung an Vorbildern, so
Günters These, ist deshalb nur dann sinnvoll, wenn sie der einzelnen Frau hilft,
ihrem persönlichen Begehren zu folgen und ihren eigenen Weg in Freiheit zu
gehen. Ein kleiner philosophischer Text, der aber durchaus ein breites Publikum
verdient hat.
Frauen Unterwegs, März/April 2004