In ihrer Studie über die kulturellen Hintergründe,
gesundheitlichen Folgen und Präventionsmöglichkeiten bei Genitalbeschneidungen
an Frauen hat Fana Asefaw Afrikanerinnen in Eriträa und in Deutschland zu ihren
Erfahrungen und Ansichten befragt. Dabei zeigt sich, dass westliche Kampagnen
gegen solche frauenfeindlichen Praktiken häufig die kulturellen Aspekte zu wenig
berücksichtigen. Während beschnittene Frauen in Afrika immerhin einen gewissen
sozialen Status genießen, werden sie in Deutschland in eine zusätzliche
Opferrolle gedrängt oder gar als Kuriositäten bestaunt, aber mit ihrer
Weltsicht, ihren Problemen und ihren Stärken nicht ernst genommen. Das
verhindert nicht nur politische Allianzen, sondern untergräbt auch das
Selbstbewusstsein der betroffenen Frauen – was ihren eigenen Kampf gegen die
Genitalbeschneidung nicht gerade erleichtert. Ein interessantes Buch, das vor
allem diejenigen lesen sollten, die beruflich, zum Beispiel als Ärztinnen oder
als Sozialarbeiter, mit der Thematik konfrontiert sind.